Lampenfieber versus Lampenfieber...welcher Musiker-Lampenfieber-Typ bis du?

Was? Lampenfieber versus Lampenfieber? 

Das ist doch das Gleiche! Mona, du hast dich verschrieben...Nein, ich habe mich nicht verschrieben.

Tatsächlich, so habe ich festgestellt, gibt es verschiedene Arten von Lampenfieber.

Ich finde, es ist mal Zeit, darüber nachzudenken, warum manche Musiker (Gruppe A) Lampenfieber als super toll, quasi als nicht belastend und sogar wichtig empfinden. Andere Musiker (Gruppe B) Lampenfieber aber als quälend und lähmend und ängstigend wahrnehmen.

Und wieder Andere überhaupt kein Lampenfieber spüren. (Gruppe C) 

Interessant ist, dass wenn Musiker aus der Gruppe B in diversen Musikerforen fragen…“Ich habe so ein Lampenfieber, wie geht ihr damit um?“ von Musiker aus Gruppe A meist gesagt wird: 

„Lampenfieber ist super, ohne das geht es nicht.“

„Da gewöhnt man sich schon dran.“

„Wenn du den ersten Titel gespielt hast oder die ersten Töne geht es schon wieder."

"Ohne Lampenfieber hätte ich gar kein Spaß beim Auftritt."

"Ich trink vorher meist ein Bierchen, dann geht es schon."

"Betablocker holen dich runter, dann klappt das schon."

"Entweder man hat es oder man hat es nicht, ….ist angeboren."

"Das geht eh nie weg, also nimm es an."

….und so weiter.

Die aus Gruppe C sagen dann nur, sie hätten gar keins, und würden sich immer, egal wann und wie, auf einen Auftritt freuen ohne einen Hauch von Lampenfieber oder sie fragen „hast du auch geübt?“

Der Musiker aus Gruppe B bleibt mit diesen Antworten meist alleine zurück und denkt sich: „Super, wenn das bei allen Anderen so klappt. Bei mir ist es eben nicht so und das Lampenfieber wird nicht besser. Eigentlich quäle ich mich mit Angst oder schlechten Gedanken, bloß nicht zu versagen durch den Auftritt.“ Auch hat Musiker B natürlich geübt…vielleicht sogar mehr als notwendig…damit sein Auftritt bloß nicht missglückt. Musiker B fühlt sich einsam und nicht verstanden, er denkt sogar: „Komisch bei mir stimmt doch etwas nicht, wenn es doch bei allen Anderen irgendwie dann doch geht.“ 

Meist zieht sich Musiker B zurück und spricht dann gar nicht mehr über sein Lampenfieber und damit seine Sorgen. Es wird zu einem Tabuthema!


Warum ist der Unterschied denn so groß zwischen den Empfindungen rund um das Thema Lampenfieber?

Warum ist es für den einen Musiker so schwer nachzuvollziehen, dass ein anderer Musiker an diesem Thema zu knabbern hat?


Ich sage auch: „Lampenfieber ist vom Grundsatz her nichts Schlechtes.“ 

Im Idealfall bringt es ein gewisses Prickeln eine angeregte Vorfreude auf den kommenden Auftritt. Die Hände sind etwas schwitzig, das Herz schlägt etwas schneller, die Gedanken fokussieren sich.

Wenn man aber die Bühne betritt oder auch die ersten Töne gespielt hat ist alles toll und das Lampenfieber wandelt sich in Spielfreude und Spaß am Musikmachen. In diesem Zustand ist es leicht musikalisch sein Bestes zu geben und das ganze Potenzial abrufen zu können und vor allem Spaß an der Musik zu empfinden.


Doch leider ist das nicht bei jedem Musiker so. Da wandelt sich eben nichts. Der Körper bleibt angespannt und schwitzig, die Gedanken kreisen nicht um „wie toll fühlt sich das an“ und „wie sehr genieße ich den Auftritt“ sondern eher „hoffentlich vermassle ich es nicht“ Wenn man dann noch spürt, wie die Beine zittrig werden oder die Hände - wie das Instrument von den Lippen rutscht, geht bei vielen dann gar nichts mehr. Der Auftritt wird zu Qual. Dazu noch die Gedanken, zB. was die anderen wohl über einen denken.


Wer das nicht hat oder noch nie erlebt hat, kann das auch nicht nachvollziehen oder sich reindenken. Das ist wie bei vielen Dingen im Leben. Wer es noch nicht erlebt hat, kann zwar mitfühlen, aber so richtig verstehen kann es nur derjenige der es schon erlebt hat.


Ich wünsche mir, dass diejenigen Musiker unter uns, die unter dem Lampenfieber leiden und eben nicht damit zurechtkommen ganz viel Unterstützung und Verständnis bekommen, damit dieses Thema kein Tabuthema mehr bleibt und diese Musiker auch in Zukunft ihr ganzes musikalisches Können mit Spaß und Freude auf die Bühne bringen.


Willst du wissen, welcher Lampenfieber Typ du bist?

Dann mache hier den kurzen Lampenfieber-Test.


Ja

Nein

Schon Tage vor dem Auftritt mache ich mir Gedanken, ob alles gut verläuft.



Vor dem Auftritt habe ich eine gewisse Anspannung. Bin etwas unruhig, evt. Harndrang, schweißige Hände. Freue mich aber auf den Auftritt



Vor dem Auftritt bin ich total nervös. Kann kaum denken. Mein Herz rast, ich zittere, muss ständig auf die Toilette. Mir geht es schlecht. Hoffentlich versage ich nicht.



Vor dem Auftritt bin ich ruhig, habe keine körperlichen Symptome. Ich freue mich einfach nur auf den Auftritt



Schon in den Proben habe ich Probleme mich zu konzentrieren



Bei den Proben hat alles super geklappt, beim Auftritt kann ich es nicht abrufen



Sowie ich auf der Bühne stehe, oder die ersten Töne spiele, kann ich all das abrufen was ich geübt habe und den Auftritt genießen



Auf der Bühne und während des Auftritts bin ich weiterhin angespannt und die belastenden Emotionen wie z.B Angst werden manchmal noch schlimmer. Ich kann den Auftritt nicht genießen



Ich habe öfters einen Blackout auf der Bühne, schaffe es dann nicht oder nur schwer an mein eigentliches Können ranzukommen



Ich erlebe keine Gewöhnung von Auftritt zu Auftritt. Eigentlich wird es immer schlimmer oder bleibt gleich.



Auch wenn Musik meine größte Leidenschaft ist, wenn das so weiter geht muss ich aufhören



Bei Auftritten vor fremden Mengen ist alles gut. Meine Probleme fangen an, wenn Familie oder Freunde im Publikum sitzen



Vor dem Auftritt ist alles gut, bis ich das Publikum sehe



Ich freue mich auf den Aufritt, doch wenn ich bei den Proben vor den Kollegen ein Solo spielen muss und dabei aufstehen muss, wird es mir unangenehm



Ich übe gut, dann kann auf der Bühne fast nichts schief gehen und wenn doch, ist es mir egal.



Vor dem Auftritt trink ich Alkohol, das macht mich locker und die Anspannung legt sich. Manchmal nehme ich auch Medikamente



Lampenfieber ist für mich toll, denn nur so kann ich mich richtig konzentrieren und fokussieren. Diesen Kick brauche ich



Etwas Lampenfieber bleibt, eher eine freudige Anspannung aber von mal zu mal stecke ich das besser weg und habe alles im Griff.



Ich traue mich nicht, über meine Sorgen bezüglich meines Lampenfiebers mit Musikerkollegen zu sprechen



 

Auswertung:

3-4  Ja`s: Du gehörst zur Lampenfieber Gruppe A. Du hast dein Lampenfieber im Griff und kannst deinen Auftritt genießen und dein musikalisch Bestes geben. 


5-12 Ja`s: Du gehörst zur Lampenfieber Gruppe B. Deine Art von Lampenfieber nennt sich auch „gesteigertes“ Lampenfieber oder „negatives“ Lampenfieber oder in der ausgeprägten Form auch Auftrittsangst. Die gute Nachricht. Es gibt effektive Möglichkeiten, um dein gesteigertes Lampenfieber oder deine Auftrittsangst in den Griff zu bekommen. Mehr erfährst du hier. 


0-3 Ja´s: Du gehörst zur Lampenfieber Gruppe C. Tja, von dir gibt es nicht ganz soviel :-) Genieße deine Auftritte und deine Musik.


In diesem Sinne, werde ein glücklicher Musiker

Mona Köppen

Therapeutin und Coach für Musiker

www.ichbinmusik.de

Wie Lampenfieber entsteht und wo es her kommt, erfährst du in meinem nächsten Blog.

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Kommentare: 1
  • #1

    Alexandra (Mittwoch, 06 Mai 2015 12:33)

    Ich habe Gott-sei-Dank nie Lampenfieber vor dem Spielen. Ich bin der Meinung, wenn man seine Stimme beherrscht, gibt es keinen Grund, Lampenfieber zu haben. Ich habe die Gabe, meinen Mit-MusikerInnen zu vertrauen.
    Dennoch fühle ich mit allen, die mit Lampenfieber klar kommen müssen.
    Es grüßt
    Alexandra vom blasmusikblog

Mein Name ist Mona Köppen.

Mit langer Erfahrung als Metallblasinstrumentenmacherin (Gebr. Alexander Mainz) bin ich nun seit über 7 Jahren als ausgebildete Therapeutin für Psychotherapie, Coach und Trainerin speziell für Musiker tätig.

Mein Schwerpunkt liegt  im Bereich mentales Probespieltraining und Auftrittscoaching für Musikstudenten

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